Enkaustik

 

damals und heute

 

Dieser Begriff „Enkaustik“ ist kein erfundenes Wort, sondern stammt aus dem Griechischen und bedeutet „dem Feuer ausgesetzt sein“ oder „mit Feuer erwärmt“.

 

Schon die Griechen und alten Ägypter beschäftigten sich bereits in der Antike vor ca. 3000 v. Chr. mit dieser bedeutenden Kunstform. Sie gehört zu den ältesten Kulturgütern unserer Menschheitsgeschichte und zählt zu den spannendsten Kunsttechniken unserer Zeit.

 

In der Antike wurde auf Holz und Elfenbeintafeln, auf Ton-, Schiefer- und Marmorplatten gemalt. Zum Auftragen des heißen Bienenwachses wurden Spachteln oder griffelförmige Geräte verwendet.

 

In Berichten von antiken Autoren wie Plinius und Vitruv  erklären diese, dass mit enkaustischem, also erhitztem Wachs gearbeitet und damit jene unglaubliche Präsenz und Haltbarkeit hergestellt wurde, die uns heute an pompejjanischen Wandbildern ebenso begeistert wie an den antiken ägyptischen Mumienportraits.

 

Solche Mumienportraits, auf Lindenholz gemalt,  konnten 2008 auch im Landesmuseum in Stuttgart während der Ägyptischen Mumienausstellung besichtigt werden, andere wie z. B. die berühmten Mumienportraits aus den ersten 3 Jahrhunderten n. Chr. oder Wandmalereien aus Pompeij und Herculaneum sind z. B. im Britischen Museum in London und im Nationalmuseum in Kairo zu bestaunen.

 

Es gibt Zeugnisse aus dem ersten Jahrhundert nach Christus, dass auch in der römischen Malerei diese Technik ausgeübt, von Cäsar ein Enkaustik-Bild in Auftrag gegeben und von dem griechischen Künstler Timokakos hergestellt wurde.

Vereinzelt sind heute noch Beispiele in der oströmischen und byzantinischen Ikonenmalerei bis ins 8. Jahrhundert nach Christus nachweisbar.

Einige davon befinden sich im Katharinenkloster auf dem Berg Sinai.

 

Im Mittelalter wurde diese Technik durch die Ölmalerei fast vollständig verdrängt. Da Vinci, Michelangelo, zuletzt sogar Goethe, versuchten sich mittels der Enkaustik-Technik auszudrücken

Warum diese Technik auch in der Neuzeit (etwa um 1500) kaum mehr zur Anwendung kam, ist vermutlich neben der verschwundenen Tradition auch die nicht ganz einfache Handhabung des Materials, die die Künstler vor vielerlei Probleme stellte, nicht nur, weil das Erwärmen und Applizieren des Wachses damals sehr aufwändig war; denn die Künstler mussten auch ihre Farben selbst herstellen.

 

Viele große Künstler haben mit Wachs experimentiert und gemalt.

 

Sogar Leonardo Da Vinci (1452 - 1519) hatte sich vorgenommen, die antike Enkaustik-Malerei wieder neu zu beleben.

 

Wir wissen, dass die Farben früher stark mit Metalloxyden belastet und dadurch hochgiftig waren. Durch Einatmen der giftigen Dämpfe, die beim Erhitzen entstanden, kam es häufig zu Haar- und Zahnausfall oder es hat sogar zum frühen Tod der Künstler geführt.

 

Enkaustische Mumien­bild­nisse waren damals unbezahlbar teuer. Interessant zu lesen ist, dass ein Sklave, der Maler war, zur Werk­statt­einrichtung gehörte und beim Verkauf eines Bildes wie  Mobiliar mitverkauft wurde.

 

Überlieferungen zufolge wurde das sagenumwobene Punische Wachs im Einklang mit den Gestirnen, mit Sonne und Mond gewonnen und in Meerwasser gekocht. Auch die Weiterverarbeitung richtete sich danach.

 

Zur Mitte des 19. Jahrhunderts entstand in München eine Art europäisches Zentrum der Enkaustik-Forschung, welches sich unter Bayernkönig Ludwig I. entwickelt hat. Dieser setzte sich leidenschaftlich für die Wiederbelebung dieser Technik ein und animierte Carl Rottmann und Julius Schnorr von Carolsfeld, diese weitgehend verschollene Technik zu rekonstruieren, gemeinsam mit dem Maler und Naturwissenschaftler Fernbach, dem Ludwig eigens zu diesem Zweck ein Chemiestudium finanzierte.

 

Fernbach (1793 - 1851) ersann neue Bindemittel, auch für die Enkaustikmalerei und veröffentlichte 1845 sein Buch „Die enkaustische Malerei“ .

           

Im Auftrag König Ludwigs I. malte Carl Rottmann (1797 - 1850) einen Zyklus von  23 griechischen Landschaften. Teile aus diesem Zyklus, wie „Die Ruinen von Nemea“ hängen in der neuen Pinakothek in München.

 

Und tatsächlich kunstreif wurde das Verfahren dann für den Schweizer Arnold Böcklin.

Er (1827 – 1901) machte sich in Neapel und Pompeij mit der antiken Wandmalerei vertraut und beschäftigte sich daraufhin sehr mit der Enkaustikmalerei. Auch von ihm kann ein Bild - er hatte eine Vorliebe für mystisch wirkende Bilder - in der Neuen Pinakothek in München bewundert werden.

 

Julius Schnorr von Carolsfeld (1794-1872) zierte für Ludwig I. von Bayern (1843) u.a. drei Säle des Festsaalbaues in der königlichen Residenz mit Darstellungen aus dem Nibelungenlied in enkaustischer Manier.

 

Ganz in der Nähe, nämlich in Stuttgart, machte Fritz Klein von sich Reden; er malte mit Wachs-Stiften auf einer selbst konstruierten, beheizbaren Kupferplatte.

Seine Wohnung in Stuttgart  wurde 1944 durch Bomben zerstört, so gingen nicht nur viele seiner Bilder sondern auch wertvolle Unterlagen verloren, die näheren Aufschluss über seine Biographie und sein Werken hätten geben können.

 

Jasper Jones, der (zusammen mit Robert Rauschenberg) als einer der Wegbereiter der POP-Art gilt, hat die amerikanische Flagge in Enkaustik gemalt und dieses Bild für viel Geld an das MOMA (Museum of Modern Art) in New York verkauft.

 

Nach der Wiederentdeckung dieser Maltechnik haben wir es heute schon wesentlich einfacher:

Strom aus der Steckdose und pigmentiertes gebrauchsfertiges Wachs, das mit speziellen Arbeitsgeräten erhitzt bzw. geschmolzen wird und auf verschiedene Malgründe wie Leinwand, Papier, Holz, Glas oder Stein aufgetragen werden kann.

 

Die heute verwenden Bienenwachsfarben sind die mehrfach gereinigt, gehärtet und mit natürlichen Farbstoffen versetzt und somit ungiftig.

Zwischen 60° - 80 ° C liegt der Schmelzpunkt dieser Wachsfarben.

 

Damals wie heute, war und ist die Leuchtkraft der Farben und der geheimnisvollen Glanz des Wachses faszinierend. Diese Bilder sind beständig und müssen deshalb auch nicht restauriert werden. Ab und zu mit einem weichen Tuch polieren genügt völlig, um sie in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.

 

 

 © Copyright  Brigitte Wurster